Schwierige Erntebedingungen 2010 = Mühsamer Start für den Raps
Die Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst waren in vielen Regionen Deutschlands aufgrund der späten und nassen Getreideernte schwierig. Die kühl-feuchte Witterung im Herbst ließ vielerorts die angestrebte Entwicklung von immer 8 - 10 Blättern und 8 - 10 mm Wurzelhalsdurchmesser nicht zu. Im späten Herbst zeigten sich dann die Rapsbestände im Süden besser entwickelt als im Norden und Osten, wo viele sehr schwache Bestände mit deutlich weniger als 8 - 10 Blätter zu finden waren.
Regeneration durch gezielte N-Düngung fördern
Bei der Düngung im Frühjahr 2011 gilt es, die schwach entwickelten Bestände durch eine zeitige N-Düngung zu fördern, um durch die Blattneubildung Assimilationsfläche zu schaffen und die Seitentriebbildung zu fördern. Praxisübliche Gesamt-N-Düngermengen liegen je nach Standort und Ertragspotenzial bei ca. 170 - 200 kg N/ha, die an die Bestandesentwicklung anzupassen sind. Bei schwacher Herbstentwicklung und zusätzlichen Blattverlusten über Winter sollte die 1. N-Gabe betont werden (Aufteilung 60/40). Bei Beständen, die die Zielentwicklung von 8 - 10 Blättern zu Vegetationsende im Herbst erreicht haben und mit wenig Blattverlusten aus dem Winter gekommen sind, bietet sich eine Aufteilung von 50/50 an. Bei üppigen Beständen im Herbst ohne oder mit wenigen Blattverlusten über Winter kann die 1. Gabe allerdings reduziert werden und die Betonung auf der 2. Gabe liegen (Aufteilung 40/60). Dies wird im Frühjahr 2011 aber eher die Ausnahme bleiben.
Für hohe Rapsbestände ist eine ausreichende Menge an Schwefel nötig. Für die Bemessung der S-Düngung gilt die Faustregel 1 kg S/ha je dt/ha Ertragserwartung.
Weiterhin hat Winterraps einen hohen Bor-Bedarf, der durch eine Gabe im Herbst und im zeitigen Frühjahr von jeweils 0,3 kg/ha gedeckt werden sollte.
Bestandesaufbau durch gezielten Wachstumsreglereinsatz fördern
Auch die Pflanzenschutzmaßnahmen müssen an die Bestandesentwicklung angepasst werden. Der Einsatz wachstumsregulierender Azole im Frühjahr dient neben der Bekämpfung der verschiedenen Pilzerkrankheiten vor allem der Steuerung des Bestandesaufbaus ( siehe Abbildung).
Grundsätzlich kann der Einsatz wachstumsregulierender Triazole als Einmalbehandlung oder als Splitting erfolgen. Ein Splitting hätte den Vorteil, dass gerade bei schwachen Beständen nach Winter mit einer ersten geringen Aufwandmenge (0,4 - 0,6 l/ha z.B. Folicur bei ca. 20 cm) die Regeneration nicht zu stark gebremst und die Seitentriebbilung gefährdet würde. Die zweite Behandlung sollte dann mit einer geringfügig höheren Aufwandmenge (0,5 - 0,75 l/ha z.B. Folicur bei ca. 35 cm) durchgeführt werden. Die besten wachstumsregulierenden Wirkungen erreicht man bei wüchsigem Wetter.
Achten Sie auf Schädlinge
Neben den pilzlichen Krankheitserregern bedarf es auch einer sorgfältigen Kontrolle der Schädlinge im Rapsanbau. Hierzu haben sich in der Praxis Gelbschalen mit Gittern bewährt. Ab einer Bodentemperatur von 5 - 7° C und einer entsprechenden Lufttemperatur von 10 - 12° C setzt der Zuflug des Großen Rapsstängelrüsslers ein. Der später auftretende Kohltriebrüssler beginnt nach seiner Reifungsfraß mit der Eiablage in Blattstiele und Stängel. Kohlschotenrüssler treten vermehrt in der Hauptblüte auf. Nach dem Reifungsfraß werden die Eier in die jungen Schoten abgelegt. Diese Schädlinge können von Pyrethroiden (z.B. 0,075 l/ha Karate Zeon®) sicher erfasst werden. Beim Auftreten von resistenten Rapsglanzkäferpopulationen sind im Zuge eines Resistenzmanagements unbedingt die Warnhinweise des amtlichen Dienstes zu beachten.